Erste Hilfe am Spielfeldrand

Wenn im Fußball etwas passiert, zählt am Spielfeldrand oft jede Minute. Verstauchung, Zusammenprall, Zahnunfall – und manchmal der Verdacht auf Schlimmeres. Genau dort setzt ein neues Pilotprojekt des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) im Kreis Nienburg an: kompakte Erste-Hilfe-Kurse speziell für Trainerinnen und Trainer, erstmalig durchgeführt im Dezember in Rehburg und Hoya.
Die Idee entstand eher zufällig. „Bei einem Hallenturnier sprach mich mein Nachbar an, dass noch ein Sponsor für die Kreispokalendspiele gesucht wird. So kam ich mit Stefan Dieckmann direkt ins Gespräch – und es passte menschlich und fachlich sofort“, berichtet Jens Sewohl, Kreisgeschäftsführer des ASB Nienburg und selbst ausgebildeter Notfallsanitäter. Aus der ersten Kooperation wurde mehr: Der ASB wurde Sponsor der mittlerweile ASB-Kreispokalendspiele der Jugend und unterstützt seitdem auch inhaltlich – unter anderem mit den neuen Erste-Hilfe-Schulungen.
Lebensnah, sportnah, praxisorientiert
Die Pilotkurse richteten sich an Trainer*innen im Fußball – von Jugend bis Herren. Die Motivation war klar: Sicherheit gewinnen im Ernstfall. Teilnehmer Jan-Hannes Michaelis erklärt:
„Im Trainings- oder Spielalltag kommt es immer wieder zu Verletzungen. Ich wollte lernen, wie ich Spieler*innen erstversorge und wann ich weitere Maßnahmen einleiten muss.“
Viele Inhalte sorgten für überraschende Aha-Momente – etwa beim klassischen Nasenbluten: Kopf nach vorne, Kühlpack in den Nacken, zehn Minuten abwarten. Noch immer hält sich in vielen Vereinen die Praxis des Zurücklegens. Auch der Mythos, mit dem Krankenwagen komme man im Krankenhaus schneller dran, wurde ausgeräumt.
Teilnehmer Linus Kramer hob die Praxisnähe hervor:
„Es gibt Verletzungen, da denkt man als Trainer, man wüsste wie es geht – und dann macht man es doch falsch. Beim Kühlen zum Beispiel. Der Kurs war sehr praxisnah, wir konnten alles direkt aneinander üben. Kann ich jedem empfehlen.“
Ein zentrales Thema war die PECH-Regel (Pause – Eis – Compression – Hochlagern), mit der laut Sewohl „bei 80 bis 90 Prozent der Sportverletzungen bereits enorm geholfen wird“. Dazu kamen typische Fälle aus dem Fußballalltag: vom Bänderriss über Prellungen bis zu Situationen, mit denen kaum jemand rechnet – etwa dass man sich bei einem Sturz mit den Schneidezähnen im Tornetz verfängt.
Sewohl betont: „Erste Hilfe ist manchmal auch Improvisation.“ Entscheidend sei, dass Trainer*innen wissen, wann sie beruhigen, stabilisieren, weitermachen oder eben den Rettungsdienst rufen müssen.
Eisspray, Kühlpacks und Erste-Hilfe-Taschen
Besonders diskutiert wurde das allgegenwärtige Eisspray. Ja – es wirkt schnell, darf aber niemals direkt auf die Haut. Kühlpacks wirken langsamer, dafür tiefer und sind vor allem bei Kindern sinnvoller. Ein weiterer Punkt zeigte deutliche Lücken im Vereinsalltag: Viele Mannschaften besitzen keine vollständige Erste-Hilfe-Tasche. Dabei hatte der ASB hier bereits im vergangenen Jahr Impulse gesetzt – bei den ASB-Kreispokalendspielen der Jugend gab es statt Bällen erstmals hochwertige Erste-Hilfe-Sets, die bei den Teams ausgesprochen gut ankamen.
Helden Helfer senken die Hürden für Vereine
Für die kommenden Veranstaltungen im neuen Jahr wird das Projekt von der Helden Helfer gGmbH unterstützt. Die Organisation ermöglicht stark vergünstigte Kurse, um finanzielle Hürden möglichst gering zu halten. „Uns war wichtig, das Thema niedrigschwellig zu gestalten. Manche Vereine kämpfen finanziell – gleichzeitig fühlen sich Trainer in Notfallsituationen unsicher. Beides darf nicht gegeneinander stehen“, so Sewohl.
Zukunft der Kooperation
Die Zusammenarbeit wird von allen Beteiligten positiv bewertet und soll auch 2026 fortgesetzt werden. Sewohl sieht weiteren Bedarf:
„Erste Hilfe gehört nicht in den Mittelpunkt des Traineralltags. Aber ein kurzer Auffrischungskurs kann im Ernstfall entscheidend sein.“ Mit Blick auf die Vereine sagt er klar: „Zum nächsten Kurs anmelden.“
Seine Vision geht weiter: „Die bisherigen Veranstaltungen haben Spaß gemacht, waren konstruktiv und ehrenamtlich geprägt. Ich kann mir gut vorstellen, noch weitere gemeinsame Projekte anzugehen.“
Zum Abschluss gab es noch einen digitalen Tipp: die Ersthelfer-App „ASB Schockt“, die anzeigt, wo sich der nächste Defibrillator befindet und ob ein Ersthelfer in der Nähe alarmiert werden kann.
Ein Pilotprojekt mit Signalwirkung
Ob Prellung oder Ernstfall – die zwei Pilotkurse haben gezeigt:
Erste Hilfe im Fußball ist kein Randthema, sondern ein Baustein für Sicherheit, Verantwortung und gutes Ehrenamt. Und vor allem: lernbar.



